Küche in Spanien
Internationale Freiwilligendienste fur unterschiedliche Lebensphasen

IFL

IFL (internationaler Freiwilligendienst): Neue Formen des freiwilligen Engagements für alle Altersgruppen.

Internationale Freiwilligendienste

Ziele des IFL: Gesellschaft Impulse geben, Menschen mobilisieren, Solidarität und Zivilcourage zu einer Selbstverständlichkeit machen.

generationsübergreifend Freiwilligendienst für Ältere / Senioren

generationsübergreifend Ausrichtung: wo in den üblichen Formen der Freiwilligendienst die Altersgruppen für gewöhnlich unter sich bleiben und stets die junge Generation überwiegt, steht dieser Dienst Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen offen.

Ausland freiwillig Arbeiten / freiwilliges Engagement

Die Freiwilligen können sich weltweit (derzeit in 28 Ländern) engagieren – ob für Frieden und Menschenrechte, für Gesundheit, Kultur und Bildung, für soziale Gerechtigkeit, Integration oder den Schutz der Natur.

Sabbatjahr, Sabbatical

Wer sich für ein konkretes Projekt interessiert, sollte sich mit den entsendenden Organisationen selbst in Verbindung setzen, ebenso bei Fragen zur Finanzierung, zur Versicherung, zur Vor- und Nachbereitung etc. Bewerbungsunterlagen sollten einige Angaben zur Person (Alter, Ausbildung, Erfahrungen etc.), eine Beschreibung Ihrer Vorstellungen (Dauer des Dienstes, Tätigkeitsfeld, Land etc.) sowie ein kurzes Motivationsschreiben enthalten.

30.01.08 12:07 Alter: 5 Jahr/e

USA Ulrich, 63, mit EIRENE in den USA, Arbeit mit Obdachlosen

 

Liebe Freunde und Verwandte,

nun lebe ich bereits fünf Wochen in Washington D.C., der Stadt, in der die große Politik gemacht wird, und sicher seid Ihr schon ganz gespannt zu lesen, wie es mir geht und was ich als Freiwilliger von EIRENE und BVS bisher erlebt habe.

Wie fing alles an?

Im November 2006 nahm ich an einem Informationsseminar von EIRENE zum Freiwilligendienst für ältere Menschen im Ausland teil. Diese Möglichkeit bietet EIRENE seit Mitte der 90er Jahre an.

Als ich zum ersten Mal davon erfuhr, habe ich mir vorgenommen, solch einen Dienst nach meinem Berufsleben zu tun. Nun bin ich hier und erfülle mir damit auch einen lange gehegten Traum, einmal im Ausland zu leben und zu arbeiten.

Ich habe mich bei EIRENE beworben und bin im Januar 2007 nach einem Bewerberauswahlverfahren als Freiwilliger für einen Dienst bei der Partner Organisation Brethren Volunteer Service (BVS) in den USA angenommen worden.

Ausreiseseminar

Am 1. September begann mein Freiwilligendienst mit dem Ausreiseseminar in Neuwied und in Odernheim. Wir, 18 junge Erwachsene und ich, setzten uns unter der sehr guten Anleitung von Christina, Matthias und Juliane auseinander mit Fragen zum eigenen Lebensweg, Fremd- und Selbstwahrnehmung, Motivation, Toleranz, Gewaltfreiheit, Kulturschock, ökonomischen Zusammenhängen in der globalisierten Welt usw.

Neben dem angefüllten Programm  hatten wir auch viel Spaß zusammen, z.B. haben wir Weihnachten schon im voraus gefeiert  mit Weihnachtsmann, Weihnachtsengel kleinen Darbietungen und Geschenken.

Abschied und Ausreise

Der Abschied von meiner Familie und meinen Freunden fiel mir am Ende doch schwerer als ich gedacht hatte, und mich ergriff eine ziemliche Traurigkeit. Mich bewegten die Fragen: Wie wird es ihnen und mir in dem Jahr ergehen? Ist das ganze Vorhaben nicht verrückt von mir? Wie wird es sein, wenn ich wieder zurück komme? Was wird sich verändert haben? So war der Abschied auch recht tränenreich.

Am 20. September ging es dann über den Atlantik.  Bei strahlend warmen Sommerwetter bin ich in Chicago gelandet und habe gleich vom Hotel aus zwischen riesigen Hochhäusern einen Spaziergang am Chicago River entlang zum Michigan See gemacht. Noch kam es mir ganz unwirklich vor, dass ich jetzt ein Jahr in diesem Land  leben sollte.

Am nächsten Tag bin ich weiter nach St. Louis, Missouri, geflogen und habe dort die anderen deutschen BVS-Freiwilligen Christoph, Johannes und Stefan getroffen. Am späten Nachmittag haben wir uns bei drückender Hitze im Stadion ein Baseballspiel angesehen: die "Cardinals" von St. Louis gegen eine Mannschaft aus Houston. Auch nach drei Stunden als Zuschauer hatten wir die Spielregeln nicht wirklich verstanden und waren uns einig, dass Fußball ein "besseres" Spiel ist!

Orientation Unit

Wir wurden am späten Abend in St. Louis von Genelle, der Leiterin der Orientation, abgeholt und kamen um 3 Uhr nachts endlich an unserem Zielort Peace Valley, Missouri, an. Unser Seminarhaus war eine ehemalige Grundschule und wir schliefen in den Klassenräumen, wo die uralten Kreidetafeln noch an den Wänden hingen, für mich als ehemaligen Lehrer eine sehr vertraute Atmosphäre!

Das Seminar bestand aus 31 Freiwilligen und drei vom Staff. Entsprechend eng war alles. Ich schlief in einem acht Bett-Zimmer. Kleiderschränke sind, wie jeder weiß, in Schulen nicht üblich, so lebten wir aus den Koffern und entsprechend "übersichtlich" gestaltete sich unser Raum auch. Für alle zusammen gab es im Haus drei Duschen und 400 m entfernt eine weitere Dusche.

Das von BVS bewusst vertretene simple life zeigte sich auch im Essens-Budget. So standen pro Person und Tag nur 2,25 $ für Essen zur Verfügung. Die food groups, jeder gehörte einer solchen Gruppe an, die für bestimmte Mahlzeiten verantwortlich waren, durften dieses Budget auch um keinen Cent überschreiten! So konnten wir ein wenig nachvollziehen, wie es Millionen von Menschen geht, die am Tag mit oft weniger als 2 $ auskommen müssen. Wir vier Deutschen, die jungen Kerle besonders, hatten auch in der ersten Woche ständig Hunger.

Die Orientation behandelte im Wesentlichen die gleichen Themen wie der deutsche Ausreisekurs. Darüber hinaus hatten wir aber auch Tage, an denen wir praktisch etwas taten, so arbeiteten wir einen Tag auf einer Baustelle der Organisation Habitat for Humanity, einen Tag sammelten wir Berge von Müll aus dem Wald auf.

An einem Nachmittag wurden wir in Kansas City, wo die dritte Woche der Orientation stattfand, jeweils zu Dritt in einem Viertel abgesetzt, wo überwiegend schwarze Familien wohnten, und wir sollten an die Tür klopfen und fragen, ob wir etwas im Haushalt helfen könnten.

Gleich die erste Familie, die wir fragten, sagte ja, und eh ich mich versah, fand ich mich im Keller des Hauses wieder und leerte den Wäschetrockner, dann musste ich die Wäsche zusammenlegen, eine Kommode im Raum umstellen, weil an dieser Stelle von oben Wasser durch die Decke tropfte, ob vom Dach oder von der Wasserleitung, das konnte ich nicht feststellen und im Garten etwas aufräumen. Dora und Sharon sortierten die Schmutzwäsche und taten sie in die Waschmaschine, spülten Geschirr, haben das Ehebett neu bezogen und dann auch noch im Garten mitgeholfen. Ich fand es sehr erstaunlich mit welchem Vertrauen die Familie uns drei Fremden begegnete und dachte, dass ich in meinem Haus wohl eher ablehnend auf ein solches Angebot reagiert hätte.

Die zentrale Aufgabe der Orientation aber war es, für jeden Freiwilligen den geeigneten Projektplatz zu finden. Dazu gab es hunderte von Informationsmappen über die verfügbaren Projektplätze. Jeder konnte drei Alternativen angeben. Ich bekam den Platz meiner ersten Wahl, die Soup Kitchen des Brethren Nutrition Program in Washington D.C., worüber ich sehr glücklich bin.

Das Brethren House in Washington D.C.

Wir zwei neuen Freiwilligen, Melani und ich wurden von drei Housemates (Hausgenossen) vom Flughafen abgeholt und sehr herzlich begrüßt.

Das Haus, in dem wir wohnen ist ca. 120 Jahre alt. Es wurde der Church of the Brethren vor etwa 20 Jahren von einem Ehepaar geschenkt und wird seitdem nur von  Freiwilligen bewohnt. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich also Mitglied einer Wohngemeinschaft (WG), eine völlig neue Erfahrung. Im monatlichen Housemeeting werden immer Hausarbeiten verteilt und diskutiert, was alles gemacht werden müsste. Bloß geschehen tut dann herzlich wenig. Von meinem Zimmer und dem Ordnungsverständnis meines Roommate war ich zunächst geschockt, aber inzwischen habe ich mich damit arrangiert.

Von Montag bis Donnerstag essen wir abends zusammen, und eine(r) der Freiwilligen kocht dann für alle. So kommt jede(r) etwa alle drei Wochen einmal dran mit Kochen. Das gemeinsame Essen ist kommunikativ und billiger, als wenn jeder für sich alleine kochen würde. Ansonsten wird per Email kommuniziert, da jede(r) im Haus einen Laptop hat. So erhalte auch ich täglich etwa drei Emails von den Housemates.

Alle im Haus lebenden Freiwilligen arbeiten bei sozialen Projekten oder Nicht-
Regierungsorganisationen. Die Arbeitsbereiche sind sehr vielfältig: Einsatz für eine Friedenssteuer, Unterstützung von Wehrdienstverweigerern, Schuldenerlass für arme Länder, Abschaffung der School of Amerika (SOA), Mitarbeit bei der UNO, Lobbyarbeit der Church of the Brethren im Kongress und nicht zuletzt die Soup Kitchen für Homeless People.

Die Soup Kitchen

Am Montag, 15. 10. 07 bin ich zum ersten Mal mit Jillian morgens um 8 Uhr zur Soup Kitchen gegangen und war etwas aufgeregt angesichts der völlig neuen Aufgaben.

An vier Tagen in der Woche kochen wir für 40 bis 90 Personen. Das Essen umfasst eine Gemüsesuppe, ein Hauptgericht, ein Dessert, Brot, Saft und Wasser. Die Suppe besteht aus Kartoffeln, Karotten, Broccoli, Sellerie, Bohnen, Zwiebeln, süßen Kartoffeln, Hühnerfleisch und einer entsprechenden Anzahl von Gewürzen. Die Gemüsearten werden täglich etwas variiert. Das Hauptgericht ist ein Auflauf, Hamburger, gebratene Hähnchenschenkel oder Reis mit Cat Fish, u.a.m. Manchmal gibt es auch Salat. Das hängt aber davon ab, ob wir von der Food Bank welchen bekommen können. Der Nachtisch besteht meist aus irgendwelchen fertigen Cookies, selten gibt es auch mal Obst.

Von 8 bis 11.30 Uhr bereiten wir alles vor. Dann werden die Türen geöffnet und die ersten Gäste kommen herein. Um 12 Uhr werden sie von Jillian begrüßt und bekommen gesagt, was es heute gibt. Dann meldet sich meistens einer der Gäste, um das Gebet zu sprechen und dann beginnt die Essensausgabe und damit die Hektik, denn alle in der langen Schlange sollen ja möglichst schnell ihr Essen bekommen.

Unsere Gäste

Die meisten Gäste sind black people (95 %) darunter nur ein paar Frauen. Als ich zum ersten Mal in die, von Entbehrungen und der Härte ihres Lebens gezeichneten Gesichter schaute, konnte ich nur mühsam meine Tränen unterdrücken. Die meisten gucken sehr ernst und viele vermeiden den Blickkontakt.

Einige sind immer gut gelaunt und machen ihre Scherze, die ich aber leider noch nicht verstehe. Überhaupt mit dem Verstehen ist es für mich noch ganz schwierig, da sie einen bestimmten Slang sprechen oder nur sehr undeutlich etwas vor sich hinbrummen.

Wenn es zeitlich möglich war, habe ich mich schon ein paar Mal mit meiner Suppe mit an den Tisch gesetzt und bin auch mit einigen schon ins Gespräch gekommen. Ein junger Mann erzählte mir, dass er schon sieben Jahre in den USA lebt und immer nur alle drei Monate seinen Aufenthaltsstatus verlängert bekommt und deshalb auch keine dauerhafte Arbeit bekommen kann. Ähnliche Geschichten kenne ich auch von unseren ausländischen Schülern in Deutschland.

Bis 13.30 Uhr geben wir Essen aus. Danach müssen alle Gäste die Soup Kitchen verlassen. Dafür sorgt auch unser Boss, Quin, ein sehr freundlicher black man. Dann beginnen für uns die Aufräum- und Reinigungsarbeiten: Vorreinigen der Trays (Tabletts mit Fächern) Füllen und Leeren der Spülmaschine, Reinigen der Töpfe von Hand, Wischen der Tische, Kehren und Wischen von Speisesaal und Küche, Müll entsorgen. Wenn alles gut geht, sind wir um 15.30 Uhr fertig.

Am Mittwoch ist die Soup Kitchen für Gäste geschlossen. Dann bereiten wir für die nächsten Tage etwas vor, waschen die Schürzen und Wischtücher oder reinigen die Öfen, eine besonders feine Arbeit!

Ohne Hilfe wären wir mit dem Ganzen etwas überfordert. So sind wir immer froh, wenn  ein paar freiwillige Helfer kommen. Viele Gruppen, die Washington für eine Woche besuchen, haben es fest eingeplant, in einer sozialen Einrichtung vormittags ein paar Stunden mitzuhelfen. Am Nachmittag machen sie dann ihr Sightseeing.

So haben wir oft vormittags für zwei Stunden einige Helfer. Das freiwillige Engagement hat in der amerikanischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert und ist für viele Amerikaner selbstverständlich. Ähnliches ist in Deutschland schwer vorstellbar.

Freizeit

Im Oktober war hier noch warmes Sommerwetter. Das habe ich genutzt, um mit dem hauseigenen Fahrrad die Stadt ein wenig zu erkunden. Zuerst habe ich mir die bekanntesten Gebäude angesehen: Capitol, wo Senat und Repräsentantenhaus tagen, Weißes Haus, Weltbank, Watergate Komplex und dann die vielen monumentalen Memorials: für Washington, Jefferson, Lincoln, F. Roosewelt, den 1. und den 2. Weltkrieg, den Korea Krieg und den Vietnam Krieg.

Da ich mit meinen Laptop im Haus keinen Zugang zum Internet bekomme, verbringe ich auch einige Zeit in der nahe gelegenen Library, wo die Internetnutzung kostenlos, aber zeitlich begrenzt ist. Die Hausgenossen gucken sehr oft am Abend Filme, von denen ich aber noch nicht genügend verstehe. So versuche ich zunächst privat meinen Wortschatz zu erweitern, bevor ich ab Januar an einem kostenlosen Sprachkurs teilnehmen werde.

Was anders ist in Washington (USA?) als in Deutschland

Ein paar Eindrücke und Beobachtungen:

·        alle (fast) sind hilfsbereit und freundlich

·        alle Preise sind Nettopreise, erst an der Kasse wird die Steuer draufgerechnet, so dass ich am Anfang immer überrascht war, wie viel mehr ich bezahlen musste

·        die Lebensmittel, besonders aber Käse, ist erheblich teurer als in Deutschland

·        es gibt keine Bäcker oder Metzger mehr

·        die Supermärkte sind auch am Sonntag geöffnet

·        die Wasserhähne gehen oft rechts herum auf

·        alle Getränke werden in Papp- oder Plastikbechern serviert

·        es gibt keine Aschenbecher und auch keine Raucher in den Restaurants

·        die Bürgersteige sind an den Ecken abgesenkt, gut für Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Fahrradfahrer 

·        die Zeitungen sind in einer Plastiktüte und werden vor das Haus geworfen

·        alles  wird schnell erledigt, Essen, Trinken, Einkaufen

·        es gibt keine Verweilen, nach dem Essen verlässt man das Restaurant

·        im Restaurant muss man am Eingang warten, bis einem der Kellner einen Platz zuweist

·        in Cafes herrscht generell Selbstbedienung, aber es gibt kein Tablett, alles wird in der Hand gehalten

[...]

Dank

An dieser Stelle möchte ich allen nochmals von Herzen Dank sagen, die meinen Freiwilligendienst finanziell unterstützen. Ohne eure Unterstützung wäre mein Aufenthalt hier nicht möglich und ich könnte nicht all die guten und interessanten Erfahrungen machen, die ich bisher schon gemacht habe und noch machen werde.

Über Reaktionen jeglicher Art auf meinen ersten Rundbrief würde ich mich freuen. Gerne beantworte ich auch weitere Fragen.

Herzliche Grüße aus Washington DC

Euer Ulrich