Barbara, 48, mit den Freunden der Erziehungskunst in Peru, Unterstützung einer Waldorfschule
In Peru arbeite ich an zwei verschiedenen Einrichtungen. Im Institut Schiller-Goethe, einem Institut zur Ausbildung von Waldorfkindergätner/Innen und Klassenlehrern liegt mein Schwerpunkt in den Naturwissenschaften und der Mathematik. Außerdem leite ich den Chor und den Flötenkreis. In der Waldorfschule Cieneguilla baue ich mit anderen Helfern zusammen ein Orchester auf.
Cieneguilla liegt am Stadtrand von Lima, eine gute Autostunde vom Stadtzentrum entfernt. Es ist ein ländliches Gebiet am Fuße der Anden. Die Berge sind schroff, völlig kahl. Nur das Flussbett des Lurin ist begrünt. Früher betrieben die Einwohner Landwirtschaft und Viehzucht. Heute ist Cieneguilla ein beliebtes Naherholungsgebiet. Restaurants reihen sich aneinander, in denen am Wochenende reger Betrieb herrscht. Vor allem im Winter strömen die Menschen aus dem nebligen Lima heraus, denn hier scheint fast das ganze Jahr über die Sonne.
Die Waldorfschule Cieneguilla, 1992 gegründet, ist eine Schule mit 10 Klassen und 3 Kindergartengruppen. Die 11. Klasse kommt im März dazu. Die Schüler stammen zum großen Teil aus Cieneguilla: Kinder von Arbeitern, Tagelöhnern, Händlern oder Wächtern, die die Zweitvillen der Reichen bewachen, solange die Besitzer in ihren Häusern der vornehmen Stadtteile Limas wohnen. Viele Kinder kommen aus bitterarmen Verhältnissen. Der Kauf eines Bleistiftes oder eines Heftes kann schon ein Problem sein. Es gibt auch wohlhabendere Familien mit regelmäßigem Einkommen, deren Kinder die Schule besuchen. Die Waldorfschule Cieneguilla ist eine der ganz wenigen Schulen Perus, wo sich Arme und Reichere treffen. Ein wichtiger Grund für mich, diese Schule zu unterstützen.
Das Projekt, das ich betreue, ist der Aufbau des Schulorchesters. Alle Kinder spielen Blockflöte. Es gibt auch seit einiger Zeit Geigenunterricht. Die jungen Freiwilligen aus Deutschland bieten Unterricht in Geige, Violoncello, Trompete und Saxophon an. So kann man im Laufe der Zeit den Klangkörper des Orchesters erweitern.
Die Noten müssen natürlich umgeschrieben und an das Können der Schüler angepasst werden. Das ist meine Aufgabe. Außerdem wurde mir die Leitung übertragen. Im letzten Jahr studierten wir eine Entrada von Purcell und eine Bourree von A. Hasse ein. Auch einen deutschen Tanz von W.A. Mozart erarbeiteten sich die Schüler.
Den Höhepunkt bildete der „Chor der Straßenjungen“ aus der Oper „Carmen“ von J. Bizet. Die Schüler der 6. Klasse sangen die Chorstimme und tanzten dazu. Die 7. und 8. Klasse bildete zusammen mit den Freiwilligen „Jonna“ (Geige), „Lena“ (Violoncello) und „Marco“(Trompete) das Orchester.
In mehreren Aufführungen stellte das Orchester sein Können unter Beweis. Wir wurden zweimal von einer kirchlichen Organisation eingeladen, um eine Veranstaltung musikalisch zu bereichern. Die Zuschauer applaudierten begeistert; so eine Arbeit kennen die Menschen hier kaum.
Für die Schüler war das ein großartiges Ereignis. Viele peruanische Kinder, vor allem aus den Reihen der Armen, wachsen mit einem Gefühl der Minderwertigkeit heran. Diese Erlebnis erfüllte sie mit Stolz und Zuversicht.



